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Neuaubing – Unsanftes Erwachen im Schlafwagen

Das Schreckgespenst Wolfgang Nöth geht um in Aubing. Einen „Kunstpark-West“ soll er planen, mitten in Neuaubing im Industriegebiet! Schnell werden auf Flugblättern Horrorszenarien an die Wand gemalt, ohne sich groß um die Faktenlage zu kümmern. Von Diskothekenbetrieb bis in die Morgenstunden, nicht enden wollendem Verkehr, Lärm und Ärger mit alkoholisierten Besuchern ist darin die Rede.
Kurzum, der Kollaps der eh schon stark belasteten Brunhamstraße, die der einzige Zubringer zum Gelände ist, steht unmittelbar bevor.

Furcht vor einem „Kunstpark West“

Doch was hat der gerne als „Hallenkönig“ titulierte Wolfgang Nöth tatsächlich vor. Will er diesen „Kunstpark West“? Schon vor einigen Wochen sollte er auf der Sitzung des Bezirksausschuss 21 Rede und Antwort stehen. Doch Nöth hatte sich bei den Renovierungsarbeiten seiner Hallen verletzt und erschien nicht. Das brachte die Aubinger noch mehr zum kochen, je weniger man wusste was dort vorging, desto wüster die Spekulationen.

Bekannt ist bislang nur soviel: Wolfgang Nöth hat das ehemalige Reparaturwerk der internationalen Schlafwagengesellschaft in Neuaubing für 20 Jahre gepachtet. Diese (nicht denkmalgeschützen) Hallen stehen seit vielen Jahren leer, sind Anfang des 20 Jahrhunderts entstanden und entsprechend marode. Nöth will sie jetzt sanieren und dort Veranstaltungen abhalten.

Der Hallenmogul klärt auf

Gestern Abend war es dann so weit. Der Bezirksausschussvorsitzende Dr. Josef Assal lud die Aubinger zum Forum 22 in die Hallen der Schlafwagengesellschaft ein, um endlich Klarheit zu schaffen. Wolfgang Nöth war geladen und die Aubinger Künstlerin Elvira Auer, die sich schon länger mit der Historie dieser Anlage auseinander setzt.

Wer Wolfgang Nöth kennt, weiß dass er nicht der Typ ist der mit Anzug und Krawatte Seriösität vorspielen will. Nein, Nöth ist ganz er selbst und lässt auch keinen Zweifel daran, dass er sich wegen irgendjemand verbiegen will. Zur Sitzung erschien er in kurzen Hosen, T-Shirt mit dem Aufdruck „Who the fuck is Mick Jagger“, Käppi über den langen grauen Haaren und das gewohnte selbstbewusste Grinsen im Gesicht.

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Wolfgang Nöth verteidigt sein Projekt

Keine Clubs, keine Diskos

Der Start der Veranstaltung war nicht besonders geglückt, die Akustik in einer der kleineren Hallen war mehr als schlecht, Lautsprecher und Mikrofone gab es nicht. Dafür war die Stimmung um so aufgeheizter. Nach einer kurzen Einführung dann endlich das Statement von Nöth. Ja, er hat die Hallen für die nächsten 20 Jahre gepachtet und nein, er will keinen „Kunstpark West“. Stattdessen soll sein Antikmarkt, der bislang in Freimann steht hierher umziehen. Die kleineren Hallen will er tageweise vermieten, um dort kleine Messen, Vernissagen etc. abzuhalten. Für Discotheken oder Clubs soll kein Platz sein. Zur Frage der Finanzierung ein knappes „Ich kann mir das leisten“. Im Prinzip hätte sich hier die Veranstaltung langsam dem Ende zu neigen können, doch die Aubinger waren aufgebracht und wollten den Versprechen Nöths nicht so recht trauen.

Der weiss um seinen Ruf als Reizfigur und bat darum ihm trotzdem „einfach zu glauben“, auch wenn „der böse Nöth über meinem Kopf steht“. Zwar sei bislang nur eine Bauvoranfrage gestellt, gibt er zu jedoch werde er sich an die darin gemachten Angaben halten. Geöffnet sei der Markt ohnehin nur Donnerstag bis Samstag, jeweils von 7 − 17 Uhr, versucht er zu beschwichtigen.

Droht dennoch der Verkehrskollaps?

Doch das zog bei den Bürgern nicht. Wenn schon kein Kunstpark kommt, dann wird doch zumindest der Besucherverkehr des geplanten Antikmarkts den Verkehr auf der Zufahrtsstraße zum Erliegen bringen. 300 Parkplätze sind für den Markt geplant. Das ist nicht gerade wenig und schürt Angst.

Denn die Lage des Areals ist in der Tat ungünstig. Die schmale Brunhamstraße über die einzig eine Zufahrt möglich ist, ist heute schon eine Staufalle. Sie stellt als Verlängerung der Limesstraße die einzige Nord-Süd-Verbindung von Aubing nach Lochham und Gräfelfing dar. Die Straße wird durch das Bahngleis der S-8 geteilt. Alle zehn Minuten schliesst sich die Schranke, zu den Hauptverkehrszeiten bilden sich lange Staus in Richtung Lochham. Das ist bereits der Ist-Zustand, die Aubinger fürchten, dass der Antikmarkt die Lage noch verschlimmert.

Doch Nöth beschwichtigt auch hier. Viele seiner Besucher kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, so seine Erfahrung aus Freimann. Auch kämen ja nicht alle 300 Fahrzeuge zur gleichen Zeit, der Verkehr verteilt sich doch über die Öffnungszeiten. Der BA-Vorsitzende Josef Assal wirft ein, man könne für die Verkehrslage nicht Wolfgang Nöth verantwortlich machen. Diese Probleme bestehen seit Jahrzehnten und liegen in der Verantwortung der Stadt München.

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Immer wieder verdreht Nöth die Augen, schüttelt den Kopf, versucht zu beschwichtigen. Obwohl das Thema Diskothek schon lange vom Tisch ist, meldet sich ein älterer Bürger zu Wort und erinnert an die Zeiten als Neuaubing noch eine eigene Disko, das „Fantasy“, gleich gegenüber vom Bahnhof hatte. Wie schrecklich das doch alles war und man so etwas bitte nicht wieder haben will. Das „Fantasy“ existiert schon lange nicht mehr, an seiner Stelle steht vielen Jahren ein Discounter, auch damals war der Aufschrei groß. Nun demonstriert keiner mehr dagegen, der Verkehrszuwachs wird hingenommen.

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BA-22-Vorsitzender Dr. Josef Assal

 Die Zeit heilt alle Wunden

So erinnert auch Monika Assal, die Jugendbeauftrage des BA 22 daran, dass sich in Aubing schon über vieles aufgeregt wurde, man am Schluss dann doch froh war, dass man es hatte. Josef Assal meinte noch, eigentlich müßte Aubing  doch Nöth für seinen Einsatz um den Erhalt der Hallen die Füße küssen.

Langsam entspannte sich dann auch die Lage im Saal und der Vortrag von Elvira Auer über die Geschichte der Schlafwagengesellschaft in Neuaubing veranlasste die ersten zum Gehen. Es lag sicher nicht am Thema, aber der Dampf war abgelassen, Frau Auers leise Stimme wegen der schlechten Akustik ohnehin kaum zu verstehen.

Denen die aushielten, spendierte Josef Assal noch eine Runde Sekt und Wolfgang Nöth saß am Tisch umringt von Besuchern vor seinen Plänen und wurde mit Fragen gelöchert.

Die weitere Entwicklung bleibt spannend, ich jedenfalls freu mich auf den Antikmarkt.

 

 

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