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Auf leisen Sohlen Sendlings Charme erlauschen

Kundige Führer müssen nicht zwingend mit einem Stadtplan in der Hand vor einem her laufen und dabei schlaue Dinge erzählen.  Für Sendling gibt es nun einen Begleiter, der direkt im Ohr des Besuchers sitzt und ihn auf seinen Wegen durch das Stadtviertel führt. Die Sendlinger Künstler Ines Honsel und Oliver Haffner haben solch einen Reise-Führer erschaffen, der Besucher sicher und absolut hörenswert durch Sendling begleitet.

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Den Raum zwischen zwei Wohnblocks wird zum Treffpunkt des Viertels.

Dass so eine Führung durch einen der ältesten Münchner Stadtteile nicht einfach nur klassische Touristeninfos aus dem Standardprogramm abspult, war zu erwarten. Das unter dem Namen „Die Sendlinger“ bekannte Künstlerduo hat mit viel Liebe zum Detail einen Begleiter gestaltet, der seinen Namen wirklich verdient.

Zu Wort kommen in dem Audioguide, der als App für das Iphone oder als MP3-Datei kostenlos von der Website der Künstler zu laden ist – ausschließlich Bewohner des Viertels, die darin von ihren „Lieblingsplätzen“ in Sendling erzählen. 20 dieser Lieblingsplätze sind als einzelne Stationen zum Hören und Erleben im Führer vertreten. Die einzelnen „Lieblingsplätze“ lassen sich nach Belieben ansteuern, eine feste Reihenfolge ist nicht vorgegeben und auch nicht notwendig.

So erfährt man beispielsweise wenn man sich in der „Sackstraße“, der Gotzinger Straße verirrt hat, was es dort mit den Gleisen auf sich hat, die durch das Haus Nummer 14 hindurchführen, über italienische Lebensart bei „Felice Bussone“ nahe der Großmarkthalle, oder über die „Brüche der Urbanität“ am Gotzinger Platz.

Eine Karte die sich ebenfalls von der Seite der Künstler runterladen lässt, sorgt für den nötigen Überblick während des  Spaziergangs.

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Das älteste und kleinste Postamt Münchens direkt am Großmarkt. Gleich rechts nebenan die Gaststätte Großmarkthalle, mit den angeblich besten Weißwürsten der Stadt.

Wer sich auf den Weg machen will Sendling auf diesem Weg zu erkunden, sollte auf jeden Fall Zeit mitbringen. Ein Vormittag ist schnell vorbei, wenn man die Geschichten von der „Kindheit auf dem Bauernhof“, der „Werkstatt der Goldsucher“, oder den „täglichen Weg nach Santiago“ alle hören und erlaufen will. Lohnenswert ist es auf jeden Fall.

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Derart persönliche Eindrücke über vergangenes und aktuelles Leben in einem Stadtteil bekommt man selten. Ich lege allen, die einen Teil ihrer Heimat aus einer ungewöhnlichen und charmanten Perspektive kennenlernen wollen, diesen ganz besonderen Reiseführer dringend ans Herz.

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Neben der Großmarkthalle in der Gotzingerstraße: Gleise, die durch ein Haus ins Nichts führen.

Was mir persönlich auf meinem Spaziergang durch Sendling auffiel, war die auffällige Liebe der Stadtteilbewohner zum Grün. Viele Hinterhöfe sind statt trister Abstellorte kleine grüne Oasen, an Hauswänden ranken sich dichte Pflanzen nach oben, zahlreiche Balkone sind  wie kleine Gärten gestaltet. Auch zur Straße offene Höfe werden gern für gemeinsame Aktivitäten genutzt, sei es als Biergarten oder für Konzertveranstaltungen von Künstlern aus dem Viertel. Wer diesem begleiteten Spaziergang entlang der „Lieblingsplätze“ folgt, wird Sendling kennen und sehr wahrscheinlich auch lieben lernen.

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Ob echt oder nur gemalt – Grün findet sich an vielen Sendlinger Häuserfassaden.
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Und noch mehr Grün.
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Dieser Kirchturm bietet einer Künstlerin ein Zuhause.

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