Magical Mystery Tour in Nymphenburg

Magical Mystery Tour in Nymphenburg

 

Auf gehts zum Lustwandeln. Doch zuvor kurze Einweisung.
Auf gehts zum Lustwandeln. Die Stimmung ist gut bei den Mitarbeitern der Schlösserverwaltung.

Slow ist in. Slowfood kennt jeder und es gibt diverse noch weitere Bewegungen, die sich dem langsamen und achtsamen, genussbetonten Leben verschrieben haben. Passend dazu lud die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung  zum Lustwandeln durch den Nymphenburger Schlosspark.

Anlass war die Präsentation einer App für Smartphones, die interessierte Parkbesucher durch die Anlagen führen und ihnen die Augen für die Schönheiten und Geheimnisse der Anlage öffnen soll. Klar, dass ich als alter Freund des Schlossparks mir diesen Event nicht entgehen lassen durfte.

Schon seit jungen Jahren verbindet mich mit dem Park eine tiefe Freundschaft. Zu jeder Jahreszeit spaziere ich durch die weitläufigen Anlagen und entdecke immer wieder neue Wege, Winkel uns Ausblicke. Auch wenn mich romantische Anwandlungen packen, ist der von Friedrich Ludwig Sckell gestaltet Park und dessen Kontrasten zwischen verträumten Pfaden und majestätischen Alleen der ideale Ort für mich.

Kaiserwetter zum Lustwandeln

Doch zurück zum Event. Ein strahlender Sommertag lockte zahlreiche Blogger und Twitterer am Sonntagmorgen zu dem großen Touristenziel. Nach kurzer Einführung durch die Mitarbeiter der Schlossverwaltung am Haupteingang gab es die erste Überraschung. Drei Lustwandler wurden per Los auserwählt, Orte im Park zu erforschen, die den gewöhnlichen Besuchern sonst verborgen sind. Einer der Glücklichen war ich, meine Einladungskarte war mit einem aufgeklebten „S“ versehen. „S“ bedeutete Schloss. Während der Trupp der Twitterer weiter in den Park zog, bot sich mir die Möglichkeit einen Ausblick auf den Schlosspark zu erhaschen, wie einst der Maler Canaletto. Der musste dazu ein dreissig Meter hohes Gerüst erstellen und besteigen, um seine Gemälde aus einer wahrhaft berauschenden Perspektive zu malen. Ich brauchte dazu nur den Dachboden des Schlosses zu erklimmen.

Losglück führt mich auf den Dachstuhl

Gleich zu Beginn  erwartete mich schon die nächste Überraschung. Ein Aufzug!  Im Schloss! Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Das letzte Stück musste aber doch zu Fuß bewältigt werden, eine Mitarbeiterin der Verwaltung begleitete mich nach oben. Über eine schmale, steile Treppe und durch eine winzige Tür ging es dann auf den Dachboden. Schmale Holztreppen im Dachstuhl führten dann zu Fenstern, die wirklich eine fantastische Aussicht boten.

Dachstuhl von Schloss Nymphenburg
Dachstuhl von Schloss Nymphenburg
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Links im Bild, die Treppe zur majestätischen Aussicht

 

Blick vom Dachstuhl des Schlosses Richtung Stadt
Blick wie Canaletto vom Dachstuhl des Schlosses Richtung Stadt

Dann hieß es der Aussicht wieder Adieu sagen und den Anschluss zu den restlichen Lustwanderen finden, die derweil die Badenburg erkundeten. Unterwegs die ersten Bilder von der königlichen Aussicht auf Twitter und Instagram, versehen mit dem Hashtag #Lustwandeln gepostet und weiter gings.

Schwer beeindruckt, leicht gehetzt und damit eigentlich weit entfernt vom lustwandeln fand ich wieder Anschluss an die zwitschernden Mitwanderer, die eifrig den Erklärungen zum Park lauschten. Gelegenheit die App zu benutzen, hatte ich kaum. Zu sehr war ich mit schauen, hören, fotografieren und twittern beschäftigt.

Jede Menge spannende Infos

Es hat sich aber auch gelohnt. Viele Details wurden uns von den sachkundigen Fachleuten der Schlossverwaltung erklärt, Details die wir von selbst nie entdeckt hätten. Vieles davon findet sich auf in der wirklich liebevoll gestalteten App, sobald ich Zeit finde sie ausführlich zu testen, berichte ich davon.

So erfuhren wir beispielsweise, warum auf einigen Wiesen so viele Schlüsselblumen wachsen. Die lieben bekanntlich feuchte Böden. Derer gibt es dort auch. Warum?

 

Schlüsselblumen vor der Badenburg
Schlüsselblumen vor der Badenburg

Das wurde uns anhand von Luftaufnahmen und alten Stichen des Parks erklärt.

Feuchtgebiete im Park wo einst Fontänen sprühten
Alte Karten und Infrarotaufnahmen zeigen Feuchtgebiete im Park wo einst Fontänen sprühten

Dort, nah an der Badenburg, wo heute die gelben Blumen leuchten, unterhielten früher Fontänen und Brunnen das höfische Volk. Die ehemaligen Wasser- und Freudenspender sind längst verschwunden, das Erdreich aber ist immer noch nass davon.

Im Löwental, der flachen Landschaft südlich der Badenburg, hatte man ursprünglich Ausblick auf die Zugspitze. Heute gibt es dort in der Ferne nur noch ein Hochlager von Tengelmann zu entdecken.

„Vandale“ Niklas hat zugeschlagen

Auch zum Pan, der versteckt im Wald auf seiner Flöte spielt gab es Geschichten. Immer wieder wurden von Vandalen die Hörner des Fauns abgebrochen, nun hat Sturm Niklas einen Baum (von über hundert im Park) direkt neben dem Faun erschlagen und dabei seinem Begleiter, der Ziege, ein Ohr abgetrennt.

Pan mit einohriger Ziege
Pan mit einohriger Ziege

Wir wären alle gerne noch weiter lustgewandelt, aber alle schönen Dinge gehen nun einmal viel zu schnell zu Ende.

Ein Schmankerl gab es noch zum Abschied. Das sonst verschlossene Hexenhäusl im Kronprinzengarten wurde für uns geöffnet und wir konnten staunend das Spielzimmer des kleinen Prinzen samt Balkon bewundern.

Hexenhäusl im Kronprinzengarten
Hexenhäusl im Kronprinzengarten
Hexenhäusl von innen. Sieht so gar nicht nach Hexe aus...
Hexenhäusl von innen. Sieht so gar nicht nach Hexe aus…

Zum krönenden Schluss gab es im Verwaltungstrakt südlich des Schlosses noch Häppchen zur Stärkung und erste Infos, wie unser Spaziergang im Netz eingeschlagen hat. Platz 2 der Trending Twitter Topics – das ist doch was.

Ich möchte mich noch mal herzlich bei allen Organisatoren des Tages – den Kulturkonsorten, der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung, insbesonders bei Tanja Praske – für die Einladung bedanken und jedem Leser nahelegen, den Park wirklich genussvoll zu erkunden. Am besten mit Hilfe der tollen App.

 

Kehraus

Kehraus

 


Die fünfte „Jahreszeit“, das Oktoberfest in München ist vorüber. Die letzten Japaner machen sich in ihren Schnäppchendirndln und -Lederhosen auf den Heimweg, manch einer schleppt sich, mit befremdlichen Tierkopfmützen die er nur im Vollrausch erstanden haben kann, das Gesicht noch deutlich von den Freuden der letzten Wiesnnacht gezeichnet, seinen Rollkoffer hinter sich herziehend, mühsam Richtung Bahnhof oder Flughafen.

Langsam versickern halbverdaute Hendl, Brezen und ungezählte Maß bereits getrunkenes Wiesnbier  in den Hängen der Theresienwiese. Der Weg vom Bahnsteig an der Hackerbrücke die Treppen rauf dauert wieder nur zwei statt fünfzehn Minuten und der gemeine Städter hat seine folkloristische Verkleidung, ohne die er sich während der 16 Tage Ausnahmezustand nicht mehr auf die Straße zu trauen schien, in den Kleiderschrank verbannt und geht endlich wieder in Jeans und Hemd zur Arbeit. Das (inzwischen verbotene) Feierabendbierchen in der S-Bahn wird wieder die Ausnahme. Ruhe und Frieden kehrt in die verkaterte Weltstadt mit Rausch ein.

Ruhe und Frieden? Moment mal – Dort drunt in der schönen Au…… da bahnt sich bereits das nächste Spektakel an. Ein herbstlaubbedecktes Holzbüdchen nach dem anderen versammelt sich auf der sonst öden Kiesfläche vor der Kirche Mariahilf – die Kirchweihdult, die letzte der drei Dulten im Jahr zieht herauf. Die ist zwar kein solch gigantisches Spektakel wie das Fest zu Ehren der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese auf der nach ihr benannten Festwiese. Und doch hier wird bereits der Grundstein gelegt für das nächste Ereignis, welches erneut nicht unbedeutende Touristenströme nach München lockt.

Denn mit dem Ende der Dult verschwinden die Buden nicht wie nach der Mai- und der Jakob-Dult, sondern ruhen dort für einige Wochen, sammeln ihre Kräfte, um sich anschließend in Gänze auf ihren Weg nur wenige Kilometer entfernt ins Herz der Stadt aufzumachen, um rund um den Marienplatz als Christkindlmarkt wieder aufzuerstehen.

Doch noch bevor der alljährliche Streit darüber wieder entbrennen kann, ob der aktuelle Christbaum vor dem Rathaus nun „schee“ oder „greislig“ ist, dürfen die Narren am 11. November schon wieder die nächste „Jahreszeit“ ausrufen.

Wie schön wäre da mal ein Kehraus, der mit dem letzten Besenstrich für wirkliche Ruhe sorgte.


G´seng, g´hört, aufgschrieben!

München(er)leben: Die Kolumne 

Auf leisen Sohlen Sendlings Charme erlauschen

Auf leisen Sohlen Sendlings Charme erlauschen

Kundige Führer müssen nicht zwingend mit einem Stadtplan in der Hand vor einem her laufen und dabei schlaue Dinge erzählen.  Für Sendling gibt es nun einen Begleiter, der direkt im Ohr des Besuchers sitzt und ihn auf seinen Wegen durch das Stadtviertel führt. Die Sendlinger Künstler Ines Honsel und Oliver Haffner haben solch einen Reise-Führer erschaffen, der Besucher sicher und absolut hörenswert durch Sendling begleitet.

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Den Raum zwischen zwei Wohnblocks wird zum Treffpunkt des Viertels.

Dass so eine Führung durch einen der ältesten Münchner Stadtteile nicht einfach nur klassische Touristeninfos aus dem Standardprogramm abspult, war zu erwarten. Das unter dem Namen „Die Sendlinger“ bekannte Künstlerduo hat mit viel Liebe zum Detail einen Begleiter gestaltet, der seinen Namen wirklich verdient.

Zu Wort kommen in dem Audioguide, der als App für das Iphone oder als MP3-Datei kostenlos von der Website der Künstler zu laden ist – ausschließlich Bewohner des Viertels, die darin von ihren „Lieblingsplätzen“ in Sendling erzählen. 20 dieser Lieblingsplätze sind als einzelne Stationen zum Hören und Erleben im Führer vertreten. Die einzelnen „Lieblingsplätze“ lassen sich nach Belieben ansteuern, eine feste Reihenfolge ist nicht vorgegeben und auch nicht notwendig.

So erfährt man beispielsweise wenn man sich in der „Sackstraße“, der Gotzinger Straße verirrt hat, was es dort mit den Gleisen auf sich hat, die durch das Haus Nummer 14 hindurchführen, über italienische Lebensart bei „Felice Bussone“ nahe der Großmarkthalle, oder über die „Brüche der Urbanität“ am Gotzinger Platz.

Eine Karte die sich ebenfalls von der Seite der Künstler runterladen lässt, sorgt für den nötigen Überblick während des  Spaziergangs.

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Das älteste und kleinste Postamt Münchens direkt am Großmarkt. Gleich rechts nebenan die Gaststätte Großmarkthalle, mit den angeblich besten Weißwürsten der Stadt.

Wer sich auf den Weg machen will Sendling auf diesem Weg zu erkunden, sollte auf jeden Fall Zeit mitbringen. Ein Vormittag ist schnell vorbei, wenn man die Geschichten von der „Kindheit auf dem Bauernhof“, der „Werkstatt der Goldsucher“, oder den „täglichen Weg nach Santiago“ alle hören und erlaufen will. Lohnenswert ist es auf jeden Fall.

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Derart persönliche Eindrücke über vergangenes und aktuelles Leben in einem Stadtteil bekommt man selten. Ich lege allen, die einen Teil ihrer Heimat aus einer ungewöhnlichen und charmanten Perspektive kennenlernen wollen, diesen ganz besonderen Reiseführer dringend ans Herz.

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Neben der Großmarkthalle in der Gotzingerstraße: Gleise, die durch ein Haus ins Nichts führen.

Was mir persönlich auf meinem Spaziergang durch Sendling auffiel, war die auffällige Liebe der Stadtteilbewohner zum Grün. Viele Hinterhöfe sind statt trister Abstellorte kleine grüne Oasen, an Hauswänden ranken sich dichte Pflanzen nach oben, zahlreiche Balkone sind  wie kleine Gärten gestaltet. Auch zur Straße offene Höfe werden gern für gemeinsame Aktivitäten genutzt, sei es als Biergarten oder für Konzertveranstaltungen von Künstlern aus dem Viertel. Wer diesem begleiteten Spaziergang entlang der „Lieblingsplätze“ folgt, wird Sendling kennen und sehr wahrscheinlich auch lieben lernen.

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Ob echt oder nur gemalt – Grün findet sich an vielen Sendlinger Häuserfassaden.

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Und noch mehr Grün.

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Dieser Kirchturm bietet einer Künstlerin ein Zuhause.

Neuaubing – Unsanftes Erwachen im Schlafwagen

Neuaubing – Unsanftes Erwachen im Schlafwagen

Dieser Artikel erschien 2013 in der Aubing-Neuaubinger-Zeitung

Das Schreckgespenst Wolfgang Nöth geht um in Aubing. Einen „Kunstpark-West“ soll er planen, mitten in Neuaubing im Industriegebiet! Schnell werden auf Flugblättern Horrorszenarien an die Wand gemalt, ohne sich groß um die Faktenlage zu kümmern. Von Diskothekenbetrieb bis in die Morgenstunden, nicht enden wollendem Verkehr, Lärm und Ärger mit alkoholisierten Besuchern ist darin die Rede.
Kurzum, der Kollaps der eh schon stark belasteten Brunhamstraße, die der einzige Zubringer zum Gelände ist, steht unmittelbar bevor.

Furcht vor einem „Kunstpark West“

Doch was hat der gerne als „Hallenkönig“ titulierte Wolfgang Nöth tatsächlich vor. Will er diesen „Kunstpark West“? Schon vor einigen Wochen sollte er auf der Sitzung des Bezirksausschuss 21 Rede und Antwort stehen. Doch Nöth hatte sich bei den Renovierungsarbeiten seiner Hallen verletzt und erschien nicht. Das brachte die Aubinger noch mehr zum kochen, je weniger man wusste was dort vorging, desto wüster die Spekulationen.

Bekannt ist bislang nur soviel: Wolfgang Nöth hat das ehemalige Reparaturwerk der internationalen Schlafwagengesellschaft in Neuaubing für 20 Jahre gepachtet. Diese (nicht denkmalgeschützen) Hallen stehen seit vielen Jahren leer, sind Anfang des 20 Jahrhunderts entstanden und entsprechend marode. Nöth will sie jetzt sanieren und dort Veranstaltungen abhalten.

Der Hallenmogul klärt auf

Gestern Abend war es dann so weit. Der Bezirksausschussvorsitzende Dr. Josef Assal lud die Aubinger zum Forum 22 in die Hallen der Schlafwagengesellschaft ein, um endlich Klarheit zu schaffen. Wolfgang Nöth war geladen und die Aubinger Künstlerin Elvira Auer, die sich schon länger mit der Historie dieser Anlage auseinander setzt.

Wer Wolfgang Nöth kennt, weiß dass er nicht der Typ ist der mit Anzug und Krawatte Seriösität vorspielen will. Nein, Nöth ist ganz er selbst und lässt auch keinen Zweifel daran, dass er sich wegen irgendjemand verbiegen will. Zur Sitzung erschien er in kurzen Hosen, T-Shirt mit dem Aufdruck „Who the fuck is Mick Jagger“, Käppi über den langen grauen Haaren und das gewohnte selbstbewusste Grinsen im Gesicht.

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Wolfgang Nöth verteidigt sein Projekt

Keine Clubs, keine Diskos

Der Start der Veranstaltung war nicht besonders geglückt, die Akustik in einer der kleineren Hallen war mehr als schlecht, Lautsprecher und Mikrofone gab es nicht. Dafür war die Stimmung um so aufgeheizter. Nach einer kurzen Einführung dann endlich das Statement von Nöth. Ja, er hat die Hallen für die nächsten 20 Jahre gepachtet und nein, er will keinen „Kunstpark West“. Stattdessen soll sein Antikmarkt, der bislang in Freimann steht hierher umziehen. Die kleineren Hallen will er tageweise vermieten, um dort kleine Messen, Vernissagen etc. abzuhalten. Für Discotheken oder Clubs soll kein Platz sein. Zur Frage der Finanzierung ein knappes „Ich kann mir das leisten“. Im Prinzip hätte sich hier die Veranstaltung langsam dem Ende zu neigen können, doch die Aubinger waren aufgebracht und wollten den Versprechen Nöths nicht so recht trauen.

Der weiss um seinen Ruf als Reizfigur und bat darum ihm trotzdem „einfach zu glauben“, auch wenn „der böse Nöth über meinem Kopf steht“. Zwar sei bislang nur eine Bauvoranfrage gestellt, gibt er zu jedoch werde er sich an die darin gemachten Angaben halten. Geöffnet sei der Markt ohnehin nur Donnerstag bis Samstag, jeweils von 7 − 17 Uhr, versucht er zu beschwichtigen.

Droht dennoch der Verkehrskollaps?

Doch das zog bei den Bürgern nicht. Wenn schon kein Kunstpark kommt, dann wird doch zumindest der Besucherverkehr des geplanten Antikmarkts den Verkehr auf der Zufahrtsstraße zum Erliegen bringen. 300 Parkplätze sind für den Markt geplant. Das ist nicht gerade wenig und schürt Angst.

Denn die Lage des Areals ist in der Tat ungünstig. Die schmale Brunhamstraße über die einzig eine Zufahrt möglich ist, ist heute schon eine Staufalle. Sie stellt als Verlängerung der Limesstraße die einzige Nord-Süd-Verbindung von Aubing nach Lochham und Gräfelfing dar. Die Straße wird durch das Bahngleis der S-8 geteilt. Alle zehn Minuten schliesst sich die Schranke, zu den Hauptverkehrszeiten bilden sich lange Staus in Richtung Lochham. Das ist bereits der Ist-Zustand, die Aubinger fürchten, dass der Antikmarkt die Lage noch verschlimmert.

Doch Nöth beschwichtigt auch hier. Viele seiner Besucher kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, so seine Erfahrung aus Freimann. Auch kämen ja nicht alle 300 Fahrzeuge zur gleichen Zeit, der Verkehr verteilt sich doch über die Öffnungszeiten. Der BA-Vorsitzende Josef Assal wirft ein, man könne für die Verkehrslage nicht Wolfgang Nöth verantwortlich machen. Diese Probleme bestehen seit Jahrzehnten und liegen in der Verantwortung der Stadt München.

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Immer wieder verdreht Nöth die Augen, schüttelt den Kopf, versucht zu beschwichtigen. Obwohl das Thema Diskothek schon lange vom Tisch ist, meldet sich ein älterer Bürger zu Wort und erinnert an die Zeiten als Neuaubing noch eine eigene Disko, das „Fantasy“, gleich gegenüber vom Bahnhof hatte. Wie schrecklich das doch alles war und man so etwas bitte nicht wieder haben will. Das „Fantasy“ existiert schon lange nicht mehr, an seiner Stelle steht vielen Jahren ein Discounter, auch damals war der Aufschrei groß. Nun demonstriert keiner mehr dagegen, der Verkehrszuwachs wird hingenommen.

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BA-22-Vorsitzender Dr. Josef Assal

 Die Zeit heilt alle Wunden

So erinnert auch Monika Assal, die Jugendbeauftrage des BA 22 daran, dass sich in Aubing schon über vieles aufgeregt wurde, man am Schluss dann doch froh war, dass man es hatte. Josef Assal meinte noch, eigentlich müßte Aubing  doch Nöth für seinen Einsatz um den Erhalt der Hallen die Füße küssen.

Langsam entspannte sich dann auch die Lage im Saal und der Vortrag von Elvira Auer über die Geschichte der Schlafwagengesellschaft in Neuaubing veranlasste die ersten zum Gehen. Es lag sicher nicht am Thema, aber der Dampf war abgelassen, Frau Auers leise Stimme wegen der schlechten Akustik ohnehin kaum zu verstehen.

Denen die aushielten, spendierte Josef Assal noch eine Runde Sekt und Wolfgang Nöth saß am Tisch umringt von Besuchern vor seinen Plänen und wurde mit Fragen gelöchert.

Die weitere Entwicklung bleibt spannend, ich jedenfalls freu mich auf den Antikmarkt.