Bretter, die die Welt bedeuten

Bretter, die die Welt bedeuten

München ist die Stadt der Skateparks. 35 gibt es insgesamt. In der Hirschgarten-Bowl trifft sich die Szene.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Printausgabe von BISS-München im Juli 2013

Wie ein gestrandetes Ufo liegt der Skatepark mit seiner gebogenen Lärmschutzwand aus grauem Beton zwischen Hirschgarten und S-Bahn-Stammstrecke. Innen, am Rand der „Bowls“, zweier tiefen Betonwannen, steht Tommy. Zu drei Vierteln ragt sein Skateboard über den Rand des Abgrunds. Mit dem linken Bein drückt er das hintere Ende seines Boards fest auf den Boden, konzentriert sich auf die bevorstehende Abfahrt. Dann zieht er sein rotes Basecap in die Stirn, setzt sein rechtes Bein nach vorne, verlagert das Körpergewicht in Richtung Abgrund und stürzt sich mit dem Board nahezu senkrecht nach unten.

Allein beim Zusehen wird einem mulmig: Wer schon mal im Schwimmbad auf dem 10-Meter-Brett stand und statt zu springen lieber wieder die Leiter nach unten geklettert wäre, kennt das Gefühl. Doch für Tommy bedeutet gerade dieser Nervenkitzel pures Vergnügen: Ein Grinsen im Gesicht rauscht er auf seinem Board nach wenigen Sekunden an der gegenüberliegenden Seite der Betonwanne wieder nach oben, dreht sich mitsamt des Bretts klackernd am Rand der Bowl um 180 Grad und rauscht wieder abwärts.

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Magical Mystery Tour in Nymphenburg

Magical Mystery Tour in Nymphenburg

 

Auf gehts zum Lustwandeln. Doch zuvor kurze Einweisung.
Auf gehts zum Lustwandeln. Die Stimmung ist gut bei den Mitarbeitern der Schlösserverwaltung.

Slow ist in. Slowfood kennt jeder und es gibt diverse noch weitere Bewegungen, die sich dem langsamen und achtsamen, genussbetonten Leben verschrieben haben. Passend dazu lud die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung  zum Lustwandeln durch den Nymphenburger Schlosspark.

Anlass war die Präsentation einer App für Smartphones, die interessierte Parkbesucher durch die Anlagen führen und ihnen die Augen für die Schönheiten und Geheimnisse der Anlage öffnen soll. Klar, dass ich als alter Freund des Schlossparks mir diesen Event nicht entgehen lassen durfte.

Schon seit jungen Jahren verbindet mich mit dem Park eine tiefe Freundschaft. Zu jeder Jahreszeit spaziere ich durch die weitläufigen Anlagen und entdecke immer wieder neue Wege, Winkel uns Ausblicke. Auch wenn mich romantische Anwandlungen packen, ist der von Friedrich Ludwig Sckell gestaltet Park und dessen Kontrasten zwischen verträumten Pfaden und majestätischen Alleen der ideale Ort für mich.

Kaiserwetter zum Lustwandeln

Doch zurück zum Event. Ein strahlender Sommertag lockte zahlreiche Blogger und Twitterer am Sonntagmorgen zu dem großen Touristenziel. Nach kurzer Einführung durch die Mitarbeiter der Schlossverwaltung am Haupteingang gab es die erste Überraschung. Drei Lustwandler wurden per Los auserwählt, Orte im Park zu erforschen, die den gewöhnlichen Besuchern sonst verborgen sind. Einer der Glücklichen war ich, meine Einladungskarte war mit einem aufgeklebten “S” versehen. “S” bedeutete Schloss. Während der Trupp der Twitterer weiter in den Park zog, bot sich mir die Möglichkeit einen Ausblick auf den Schlosspark zu erhaschen, wie einst der Maler Canaletto. Der musste dazu ein dreissig Meter hohes Gerüst erstellen und besteigen, um seine Gemälde aus einer wahrhaft berauschenden Perspektive zu malen. Ich brauchte dazu nur den Dachboden des Schlosses zu erklimmen.

Losglück führt mich auf den Dachstuhl

Gleich zu Beginn  erwartete mich schon die nächste Überraschung. Ein Aufzug!  Im Schloss! Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Das letzte Stück musste aber doch zu Fuß bewältigt werden, eine Mitarbeiterin der Verwaltung begleitete mich nach oben. Über eine schmale, steile Treppe und durch eine winzige Tür ging es dann auf den Dachboden. Schmale Holztreppen im Dachstuhl führten dann zu Fenstern, die wirklich eine fantastische Aussicht boten.

Dachstuhl von Schloss Nymphenburg
Dachstuhl von Schloss Nymphenburg
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Links im Bild, die Treppe zur majestätischen Aussicht

 

Blick vom Dachstuhl des Schlosses Richtung Stadt
Blick wie Canaletto vom Dachstuhl des Schlosses Richtung Stadt

Dann hieß es der Aussicht wieder Adieu sagen und den Anschluss zu den restlichen Lustwanderen finden, die derweil die Badenburg erkundeten. Unterwegs die ersten Bilder von der königlichen Aussicht auf Twitter und Instagram, versehen mit dem Hashtag #Lustwandeln gepostet und weiter gings.

Schwer beeindruckt, leicht gehetzt und damit eigentlich weit entfernt vom lustwandeln fand ich wieder Anschluss an die zwitschernden Mitwanderer, die eifrig den Erklärungen zum Park lauschten. Gelegenheit die App zu benutzen, hatte ich kaum. Zu sehr war ich mit schauen, hören, fotografieren und twittern beschäftigt.

Jede Menge spannende Infos

Es hat sich aber auch gelohnt. Viele Details wurden uns von den sachkundigen Fachleuten der Schlossverwaltung erklärt, Details die wir von selbst nie entdeckt hätten. Vieles davon findet sich auf in der wirklich liebevoll gestalteten App, sobald ich Zeit finde sie ausführlich zu testen, berichte ich davon.

So erfuhren wir beispielsweise, warum auf einigen Wiesen so viele Schlüsselblumen wachsen. Die lieben bekanntlich feuchte Böden. Derer gibt es dort auch. Warum?

 

Schlüsselblumen vor der Badenburg
Schlüsselblumen vor der Badenburg

Das wurde uns anhand von Luftaufnahmen und alten Stichen des Parks erklärt.

Feuchtgebiete im Park wo einst Fontänen sprühten
Alte Karten und Infrarotaufnahmen zeigen Feuchtgebiete im Park wo einst Fontänen sprühten

Dort, nah an der Badenburg, wo heute die gelben Blumen leuchten, unterhielten früher Fontänen und Brunnen das höfische Volk. Die ehemaligen Wasser- und Freudenspender sind längst verschwunden, das Erdreich aber ist immer noch nass davon.

Im Löwental, der flachen Landschaft südlich der Badenburg, hatte man ursprünglich Ausblick auf die Zugspitze. Heute gibt es dort in der Ferne nur noch ein Hochlager von Tengelmann zu entdecken.

“Vandale” Niklas hat zugeschlagen

Auch zum Pan, der versteckt im Wald auf seiner Flöte spielt gab es Geschichten. Immer wieder wurden von Vandalen die Hörner des Fauns abgebrochen, nun hat Sturm Niklas einen Baum (von über hundert im Park) direkt neben dem Faun erschlagen und dabei seinem Begleiter, der Ziege, ein Ohr abgetrennt.

Pan mit einohriger Ziege
Pan mit einohriger Ziege

Wir wären alle gerne noch weiter lustgewandelt, aber alle schönen Dinge gehen nun einmal viel zu schnell zu Ende.

Ein Schmankerl gab es noch zum Abschied. Das sonst verschlossene Hexenhäusl im Kronprinzengarten wurde für uns geöffnet und wir konnten staunend das Spielzimmer des kleinen Prinzen samt Balkon bewundern.

Hexenhäusl im Kronprinzengarten
Hexenhäusl im Kronprinzengarten
Hexenhäusl von innen. Sieht so gar nicht nach Hexe aus...
Hexenhäusl von innen. Sieht so gar nicht nach Hexe aus…

Zum krönenden Schluss gab es im Verwaltungstrakt südlich des Schlosses noch Häppchen zur Stärkung und erste Infos, wie unser Spaziergang im Netz eingeschlagen hat. Platz 2 der Trending Twitter Topics – das ist doch was.

Ich möchte mich noch mal herzlich bei allen Organisatoren des Tages – den Kulturkonsorten, der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung, insbesonders bei Tanja Praske – für die Einladung bedanken und jedem Leser nahelegen, den Park wirklich genussvoll zu erkunden. Am besten mit Hilfe der tollen App.

 

Selbstmanagement mit dem Notizbuch

Selbstmanagement mit dem Notizbuch

 

Notizbücher sind “in” – doch was schreib ich rein?

Seit die italienische Firma Moleskine den Markt mit Ihren schicken schwarzen Büchlein aufgerollt hat, gehört das “kleine Schwarze” in der Tasche schon beinahe zum guten Ton. Doch was macht man, wenn man dann stolzer Besitzer eines solchen Notizbuches ist, damit?

Bisweilen erscheinen die eigenen Gedanken zu profan, um in so einem wertigen und oft auch nicht gerade günstigen Erzeugnis niedergeschrieben zu werden. Soll das Notizbuch deshalb zum Modeaccessoire verkommen, seine Seiten auf ewig jungfräulich bleiben?

Das Notizbuch als ideales Selbstmanagement-Tool

Matthias Büttner, Inhaber des Notizbuchherstellers X47-GmbH kennt das Dilemma und hat sich daher in einem Ebook Gedanken über die effektive Nutzung dieser kleinen Helferleins gemacht.
Immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten das (Arbeits)-Leben effizienter und effektiver zu gestalten, sieht er in einem Notizbuch das ideale Selbstmanagement-Tool.
“Management by Notizbuch” nennt er auch folgerichtig sein Ebook, das er auf Amazon vertreibt. Zur Rezension hat er mir ein kostenloses Exemplar zur Verfügung gestellt.

Eingangs stellt der Autor die verschiedenen Arten von Notizbüchern vor und listet auf, womit man ausser schnöden Notizen noch alles die leeren Seiten seines neuen Begleiters füllen kann.
Er erläutert die Vor- und Nachteile zwischen festgebundenen Büchern (wie Moleskine), Loseblatt– oder Ringbuchsystemen und Book-by-Book-Systemen, wie er sie selbst mit X47 und X17 herstellt. Auch auf nützliche Erweiterungen und “Hacks” wie Stiftschlaufen, Kalender, Register etc. weist er hin. Doch spannend wird es erst im zweiten Kapitel.

Wie und welche Notizen lege ich an?

Dort nämlich beschäftigt sich das Buch mit dem “Managen von Notizen”. Dieses Kapitel fand ich für mich am interessantesten, gibt es hier doch vielerlei Anregungen zu entdecken, womit man sein Notizbuch füllen kann. Büttner erklärt z.B. wie man die einzelnen Arten von Einträgen nach Kategorien markieren kann, wie man Telefonlisten handhabt, oder Sitzungsprotokolle einfach zu Papier bringt. Der Schwerpunkt liegt dabei meist auf beruflichen Einsatzmöglichkeiten, man merkt ganz deutlich den Praktiker im Autor. Hier wurden nicht nur einfach Ideen gesammelt, sondern es zeigt sich deutlich, dass alles beschriebene auch in der Praxis erprobt wurde.

Wer mit Notizbüchern arbeitet sollte dabei das Schriftlichkeitsprinzip anwenden. Also – alles raus aus dem Kopf, rein in die Kladde. Denn wie Büttner erklärt:

[bctt tweet=”Nicht die Gedanken führen lassen, sondern selbst die Gedanken führen.” via=”no”]

Das geht natürlich am einfachsten, wenn die Gedanken und die Aufgaben schwarz auf weiß vor einem liegen. Wie man diesen Prozess am effektivsten angeht, erläutert das Kapitel  – Ideen/Gedanken/Sorgen managen. Nach dem Ordnen der Gedanken, folgen Ratschläge um bessere Entscheidungen zu fällen und Hinweise zur Tagesplanung fehlen ebensowenig, wie die Empfehlung eines Morgenrituals um den Tag zu strukturieren.

Im Folgekapitel wird noch kurz erklärt, dass sich ein Notizbuch auch ideal als Aufbewahrungsort für diversen Kleinkram eignet, bevor es im Text ans Eingemachte geht.

Tipps zum Aufgaben- und Selbstmanagement

Nach diesem eher groben Überblick geht es dann mit dem Thema Selbstmanagement weiter. Und das nimmt neben dem dazugehörigen Aufgabenmanagement den größten Teil des Ratgebers ein. Hier habe ich viele spannende Hinweise entdeckt, manch Altbekanntes, aber auch manch Neues.

Büttners Empfehlung liegt klar auf der von ihm favorisierten 3×5-Methode. Für jeden Tag in der Woche soll man sich drei Aufgaben aussuchen, die man bevorzugt  und definitiv erledigt. Wie man (nicht nur) diese drei wichtigen Aufgaben aus der großen Liste herauspickt, zeigt dann das folgende Kapitel über Priorisierung auf.
Sehr ausführlich wird darin auf die Wertigkeit und Wichtigkeit von Aufgaben eingegangen, ein wichtiges Thema, mich hat es dennoch irgendwann ermüdet. Vielleicht weil mir manches einfach nicht relevant erschien, oder meine Arbeitsabläufe dann doch ganz andere sind. Dennoch lohnt sich das lesen, da einem oft nicht bewusst ist, welch zahlreichen Faktoren die Wertigkeit einer Aufgabe beeinflussen.

Über einen Ratschlag musste ich dann aber doch schmunzeln:

“Wenn Sie angestellt arbeiten und viel zu tun haben, dann reduzieren Sie ihr Stresspotential, indem Sie sich ruhig und sachlich mit ihrem Vorgesetzten abstimmen. Zeigen Sie ihm auf was getan werden muss und besprechen Sie mit ihm die Prioritäten.”

Mit welchen Chefs lässt sich dies verwirklichen?

Insgesamt finde ich das Buch dennoch empfehlenswert und hilfreich. Es bietet (nicht nur) für Neueinsteiger einen guten Überblick und interessante Einblicke in das analoge Selbstmanagement via Notizbuch.

Was mir nicht gefallen hat

MbN- Management by Notizbuch ist leider kein “echtes” E-Book. Es handelt sich (zumindest bei den Exemplaren, die ich erhielt) um eine PDF-Datei. Das macht den Umgang damit nicht leicht, auf einem kleinen Smartphone-Bildschirm ist es sehr schwierig zu lesen, Schriftgröße verändern etc. ist nicht möglich. Dies war erstaunlicherweise bei der Datei im Amazon-eigenen Ebook-Format .mobi genauso.
Seltsamerweise ist die PDF-Datei nur 1,5 MB groß, die Amazon-Ausgabe bringt dagegen ganze 40 MB auf die Waage, ohne dass irgendwelche Unterschiede in der Ausgabe erkennbar waren.

Auch das Ende des Buches kam leider unvermittelt. Weder ein Nachwort noch sonst etwas, das den Leser zum Schluss hinleitet.

Im Vorwort verspricht der Autor, dass sein Werk stetig weiter entwickelt wird. Ich würde es mir wünschen, denn die Basis stimmt, aber Optimierungspotenzial ist durchaus noch vorhanden.

Kehraus

Kehraus

 


Die fünfte “Jahreszeit”, das Oktoberfest in München ist vorüber. Die letzten Japaner machen sich in ihren Schnäppchendirndln und -Lederhosen auf den Heimweg, manch einer schleppt sich, mit befremdlichen Tierkopfmützen die er nur im Vollrausch erstanden haben kann, das Gesicht noch deutlich von den Freuden der letzten Wiesnnacht gezeichnet, seinen Rollkoffer hinter sich herziehend, mühsam Richtung Bahnhof oder Flughafen.

Langsam versickern halbverdaute Hendl, Brezen und ungezählte Maß bereits getrunkenes Wiesnbier  in den Hängen der Theresienwiese. Der Weg vom Bahnsteig an der Hackerbrücke die Treppen rauf dauert wieder nur zwei statt fünfzehn Minuten und der gemeine Städter hat seine folkloristische Verkleidung, ohne die er sich während der 16 Tage Ausnahmezustand nicht mehr auf die Straße zu trauen schien, in den Kleiderschrank verbannt und geht endlich wieder in Jeans und Hemd zur Arbeit. Das (inzwischen verbotene) Feierabendbierchen in der S-Bahn wird wieder die Ausnahme. Ruhe und Frieden kehrt in die verkaterte Weltstadt mit Rausch ein.

Ruhe und Frieden? Moment mal – Dort drunt in der schönen Au…… da bahnt sich bereits das nächste Spektakel an. Ein herbstlaubbedecktes Holzbüdchen nach dem anderen versammelt sich auf der sonst öden Kiesfläche vor der Kirche Mariahilf – die Kirchweihdult, die letzte der drei Dulten im Jahr zieht herauf. Die ist zwar kein solch gigantisches Spektakel wie das Fest zu Ehren der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese auf der nach ihr benannten Festwiese. Und doch hier wird bereits der Grundstein gelegt für das nächste Ereignis, welches erneut nicht unbedeutende Touristenströme nach München lockt.

Denn mit dem Ende der Dult verschwinden die Buden nicht wie nach der Mai- und der Jakob-Dult, sondern ruhen dort für einige Wochen, sammeln ihre Kräfte, um sich anschließend in Gänze auf ihren Weg nur wenige Kilometer entfernt ins Herz der Stadt aufzumachen, um rund um den Marienplatz als Christkindlmarkt wieder aufzuerstehen.

Doch noch bevor der alljährliche Streit darüber wieder entbrennen kann, ob der aktuelle Christbaum vor dem Rathaus nun “schee” oder “greislig” ist, dürfen die Narren am 11. November schon wieder die nächste “Jahreszeit” ausrufen.

Wie schön wäre da mal ein Kehraus, der mit dem letzten Besenstrich für wirkliche Ruhe sorgte.


G´seng, g´hört, aufgschrieben!

München(er)leben: Die Kolumne 

Freiham – zurück in die Zunkunft

Freiham – zurück in die Zunkunft

Noch existiert Freiham-Nord, der Stadtteil der in den kommenden Jahrzehnten am westlichen Rand Münchens 20.000 Menschen ein Zuhause geben soll, nur auf dem Reißbrett. Und auch dort nur in groben Zügen. Um die Wartezeit bis zur Fertigstellung des Stadtteils etwas abzukürzen und den Aubinger und Freihamer Bürgern schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf das Kommende zu geben, hat das Planungsreferat der Stadt München vor kurzem einen Infopfad auf den Äckern angelegt, die in naher Zukunft dem Stadtteil weichen werden.

Dieser Infopfad hat es in sich. Zwar ist er leicht zu übersehen – die dünnen blauen Holzpfähle mit den angetackerten Informationstafeln sind inmitten der riesigen grünen Flächen schwer zu entdecken – doch wer sich die Mühe macht und mit festen Schuhen durch das mitunter matschige Erdreich stapft, erlebt eine kleine Überraschung.

Denn die Texte und Bilder auf den Tafeln berichten von einer Zeit, die erst noch kommt. Freiham 2033 steht dort beispielsweise auf einer Tafel geschrieben. Darauf berichtet  ein Kind aus dem Jahr 2033 von Omas Erzählungen, wie es an dieser Stelle an der heute das Schild steht, vor vielen Jahrzehnten ausgesehen hat.

Es erzählt vom Haus vom kauzigen Toni, das hier mitten auf dem Feld gestanden hat, an dem sie auf dem Weg zu Opa, der am Rand von Neuaubing wohnte,  immer vorbeigekommen sind. Jetzt, berichtet der (fiktive) Bub weiter, wo das Feld verschwunden und alles zugebaut und der Toni nicht mehr ist, wohnt hier der Joschi – im dritten Stock. Auch die Lollo wohnt im selben Haus und wie der kauzige Toni damals, bauen sie Gemüse an. Allerdings nicht mehr auf dem Boden, wie einst der Toni, sondern stattdessen auf dem Dach.

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Infotafel nördlich der Energiezentrale Freiham.

Nicht alle Tafeln auf dem Pfad, der sich vom Bahnhof Aubing im Osten bis zum neuen, betongrauen Freihamer Bahnhof im Süden zieht, beherbergen solche Geschichten. Auf manchen wird nur ganz klassisch und bisweilen langweilig informiert, zum Beispiel über archäologische Untersuchungen auf dem Gelände.

Aber richtig interessant und unterhaltsam wird es, wenn der Blick in die Zukunft nicht allzu trocken ausfällt und die Fantasie kleine Freudensprünge macht, über das was da noch alles kommen mag. Denn das ganze Leben ist Veränderung – und manchmal ist es gar nicht so schlecht, wenn dabei kein Stein auf dem anderen bleibt.